12.06.2019 - Comeback für Onnen

Imke Onnen (Hannover 96) gab beim 55. Internationalen Pfingstsportfest ihr Comeback und übersprang 1,92 Meter im dritten Versuch.

Rehlingen. Bei 1,90 waren die Augen schon feucht, bei 1,92 brachen dann alle Dämme. Imke Onnen musste weinen. Vor Glück. Vor Freude. Vor Erleichterung. Dieser emotionale Auftritt von Hannovers Hochsprung-Ass beim internationalen Pfingstmeeting in Rehlingen hatte Gründe. Es war Onnens erster Freiluft-Wettbewerb in dieser Saison, nach einer langen Leidenszeit und vielen Fragezeichen. Wann ist der Fuß endlich schmerzfrei? Wie werde ich fit? Was, wenn der Fuß wieder Probleme macht?

Doch nun lief an der Saar alles nach Plan. Die 1,90 Meter nahm Onnen (Hannover 96) im ersten Versuch. „Da war ich auch schon kurz davor zu weinen, habe mich aber zusammengerissen“, erzählt die 24-Jährige. Als sie dann die 1,92 Meter im dritten Versuch übersprang, gab es kein Halten mehr in Onnens Tränendrüse. Der vierte Platz – nur eine Nebensächlichkeit.

„Nach dem Sprung über 1,92 Meter hat Imke bei den 1,94 Metern vor lauter Aufregung ihren Anlauf vergessen und ist gar nicht mehr richtig zum Absprung gekommen“, erzählt Mutter und Trainerin Astrid Fredebold-Onnen.

Die nationale Rivalin Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart) schaffte 1,94 Meter. Damit erfüllte sie die Qualifikationsnorm für die WM-Teilnahme im Herbst in Doha. Onnen fehlen noch zwei Zentimeter. Der Sieg in Rehlingen ging mit 1,99 Meter an die Ukrainerin Irina Gerashchenko.

Onnen hatte bis zuletzt so gut wie kein Techniktraining absolviert. „Der Fuß tat immer noch etwas weh, da waren nur Kraft- und Stabilitätstraining möglich. Dafür bin ich mehr als zufrieden“, sagt Mutter Onnen. „Ich hatte nur mit 1,85 Metern gerechnet. Aber Imke hat eben ein gutes Grundniveau.“

Über Monate konnte sie dies jedoch nicht zeigen. Der rechte Sprungfuß macht keine Sorgen, seltsamerweise ist es der linke Fuß, der Pro­bleme bereitet. Leichte Überlastung des Mittelfußes lautete die Diagnose nach einem MRT. Vor dem Trainingslager im türkischen Belek im Mai schien fast wieder alles in Ordnung zu sein. Doch in Belek machte Onnen eine falsche Bewegung beim Krafttraining. Die angewiesene Technikkorrektur schadete ihrem sensiblen Fuß. Ein nerviger Rückschlag. „Das nächste Mal setze ich mich durch, wenn ich anderer Meinung bin. Da bin ich jetzt schlauer“, sagt Onnen.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Versuche, wieder anzugreifen. Im Saarland hat es jetzt endlich geklappt. Am 22. Juni will sie in Tübingen das nächste Mal springen. Schließlich soll es so schnell wie möglich mit der WM-Quali-Höhe für Doha klappen. Die B-Norm hat sie mit den 1,92 Metern schon sicher.

Diese Höhe berechtigt sie auch an der Teilnahme an der Universiade in Neapel (3. bis 14. Juli). Die Olympischen Spiele für Studenten hatte sie schon vor zwei Jahren zum Ziel. Dieses Mal ist sie dabei. „Ich freue mich über die Möglichkeit, mich bei den Studenten zu etablieren“, sagt Onnen. Hauptziel bleibt natürlich die Weltmeisterschaft im Wüsten-Emirat. 1,94 Meter – die A-Norm sollte nach dem ersten Höhenflug der Saison am Wochenende nur eine Frage der Zeit für Imke Onnen sein.

Quelle: Text: Neue Presse 12. Juni 2019, Foto: Axel Kohring/imago