10.11.2017 - Fanprojekte

Die Bundeskonferenz der Fanprojekte zeigte, wie gut Fans vernetzt sind und was sie bewegen können.

Hannover. Direkt neben dem Volksparkstadion in Hamburg steht eine Flüchtlingsunterkunft. Lange registrierte kaum ein Stadionbesucher die neuen Nachbarn. Vor rund vier Jahren nahm sich dann die Hamburger Ultra-Gruppe „Poptown“ der Sache an. Mittlerweile ist daraus ein gemeinnütziger Verein entstanden. „United Football Movement“ organisiert beispielsweise Fußballturniere für Geflüchtete. Ein Beispiel von etlichen, das zeigt: Fußballfans stehen für deutlich mehr als Gewalt oder den Einsatz von Pyrotechnik.

Von Dienstagabend bis gestern fand in Hannover die Bundeskonferenz der Fanprojekte statt. Außer Sozialarbeitern, die in den Fanprojekten arbeiten, waren auch Funktionäre von DFB und DFL vor Ort, ebenso wie Vertreter einiger Fanszenen. Zur Erklärung: Fanprojekte bieten vor allem jungen Fußballfans einen Ort des Austauschs. Sie sind unabhängig von den Vereinen. In Hannover ist beispielsweise die Stadt Träger des Fanprojekts. Die Bundeskonferenz stand unter dem Thema „Stimmung ja – (Mit)bestimmung nein?“

Was Fans bewegen können, zeigen auch Beispiele aus Jena und Mainz. Die Initiative „CrowdFANding“ hat es sich zum Ziel gesetzt, „Herzblutthemen“ – so nennt es Mitarbeiter Florian Michaelis – jeglicher Fanszenen zu unterstützen. Über Vereinsgrenzen hinweg spendeten Fans so zum Beispiel für den Erhalt der Südkurve beim FC Carl Zeiss Jena – mit Erfolg. In Mainz wurden innerhalb weniger Wochen mehr als 100 000 Euro gesammelt, um ein Fanhaus bauen zu können. Im Sommer nächsten Jahres soll es fertig sein.

Tamara Dwenger sprach in dem Zusammenhang über den HFC Falke. Dwenger ist eigentlich HSV-Fan, doch 2014 – die Profiabteilung des HSV wurde ausgegliedert und Dwenger fühlte sich nicht mehr wohl mit dem Gedanken, ins Stadion zu gehen – entschied sie sich, einen eigenen Verein – den HFC Falke – zu gründen, deren Vorsitzende sie heute ist.

Vom Fan wurde sie selbst zum Funktionär – für Dwenger jedoch kein Widerspruch. „Ich finde, auch Funktionäre sollten Fans sein.“ Eine Einstellung, die im Publikum große Zustimmung fand. Ohnehin war es bemerkenswert zu sehen, wie gut organisiert Fußballfans sind. Von Rivalität oder Pöbeleien war hier keine Spur – im Gegenteil. Selbst der ehemalige Polizeidirektor der Stadt Düsseldorf, Hans Joachim Kensbock-Rieso, war vor Ort und zeigte, dass die Feindbeziehung zwischen Ultras und Polizei nicht in Stein gemeißelt sein muss.

Kensbock-Rieso erzählte, wie er zufällig herausfand, dass sein Nachbar ein Gründungsmitglied der Düsseldorfer Ultras sei. Noch heute ist das ungleiche Duo befreundet, trifft sich regelmäßig. „Es kommt immer darauf an, wie man die Leute kennenlernt“, sagte Kensbock-Rieso und erntete für seinen Auftritt viel Applaus.

Mit Spannung erwarteten die Konferenzteilnehmer auch das gestrige Treffen zwischen Ultras, DFB und DFL in Frankfurt. DFB-Präsident Grindel sprach bereits am Mittwoch auf der Fanprojekt-Konferenz über sein Ziel: „Ich möchte einen dauerhaften Dialog mit allen Fangruppierungen hinbekommen“, sagte der 56-Jährige.

Am Wochenende zeigten Ultras in vielen Stadien Spruchbänder, die deutlich machten, welche Wichtigkeit das gestrige Treffen für die Fans hatte. Ergebnisse waren gestern Abend allerdings noch nicht durchgedrungen.

Fanprojekte

Quelle: Neue Presse, Timo Gilgen

Foto dpa: DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach auf der Bundeskonferenz der Fanprojekte in Hannover über die Zukunft der Fankultur in Deutschland.