29.03.2017 - Goldener Äskulapstab – nds. Ehrenabzeichen für Sport

Das Institut für Sportmedizin der MHH und der LSB starten das Pilotprojekt „Goldener Äskulapstab – niedersächsisches Ehrenabzeichen für Sport“ für schwerkranke Kinder und Jugendliche. Der Verein für krebskranke Kinder Hannover unterstützt das Projekt. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt sprach von einem „Symbol des Respekts und der Unterstützung und wichtiger Schritt zurück in den Alltag.“

Für den Vorstandsvorsitzenden des LandesSportBundes (LSB) Niedersachsen, Reinhard Rawe, ist das Projekt ein konkretes Beispiel für „unser Selbstverständnis, Sport für alle möglich zu machen.“

 „Sport zu treiben, kann für Kinder mit einer schweren Erkrankung von großer Bedeutung sein, denn Sport vermittelt ein positives Gefühl für den eigenen Körper und kann das Vertrauen in die eigenen physischen und mentalen Fähigkeiten stärken. Dabei muss es nicht um Höchstleitung im Sinne von Rekorden oder um den Wettbewerb mit anderen gehen: Dieses neue Sportabzeichen ist vor allem ein Symbol des Respekts und der Unterstützung von Kindern, für die es eine große Leistung ist, nach oder während einer schweren Krankheit sich selbst und dem eigenen Körper wieder zu trauen. Das verdient Wertschätzung und unterstreicht, dass Höchstleitung für jeden Menschen etwas anderes bedeutet.“ Mit diesen Worten hat Frauke Heiligenstadt, Kultusministerin des Landes Niedersachsen ein Pilotprojekt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des LSB gewürdigt. „Ich möchte der Medizinischen Hochschule, dem LandesSportBund und dem Verein für krebskranke Kinder für ihre wichtige Initiative danken“, ergänzte die Ministerin.

Goldener Äskulapstab – niedersächsisches Ehrenabzeichen für Sport


In dem Projekt können Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs oder nach einer Transplantation sowie ehemalige Patienten das Sportabzeichen „Goldener Äskulapstab – niedersächsisches Ehrenabzeichen für Sport“ erwerben. „Dazu müssen die Kinder oder Jugendlichen auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Leistungen erreichen“, erläuterte Professor Dr. Uwe Tegtbur, Direktor des Instituts für Sportmedizin. „Trainingsziel ist es zum einen, die Gesundheit der jungen Patienten mit individuell angepassten Trainingsprogrammen zu fördern. Zum anderen sollen sie trotz ihrer Krankheit ein Stück Normalität erleben und zurück in den Alltag finden.“ So sei es z.B. eine Hilfe für Lehrer, die auf diese Weise erkennen könnten, was die Kinder schon wieder leisten könnten.


Junge Patienten werden zukunftsorientiert betreut


Das sieht auch MHH-Präsident Professor Dr. Christopher Baum so: „Die MHH steht für Spitzenmedizin. Dazu gehört zwingend, den ganzen Menschen zu sehen. Mit dem Pilotprojekt ebnen wir unseren jungen Patienten den Weg zurück in ein normales Leben.“ Unterstützt wird die MHH dabei vom LandesSportBund (LSB) Niedersachsen. „Die Zielsetzung und Vorgehensweise des Pilotprojektes bewerten wir sehr positiv. Denn wir wollen, dass jeder nach seinen Fähigkeiten Sport treiben kann. Und die Bedingungen des Deutschen Sportabzeichens für diese Altersklassen sind nach so langer Krankheit zu schwer“, sagte der Vorstandsvorsitzende des LandesSportBundes (LSB) Niedersachsen, Reinhard Rawe. „Der LSB ist insofern gerne bereit, dieses nach Kräften zu unterstützen.“ Der LSB wird das Ehrenabzeichen auch übergeben.

Möglich wurde das Projekt durch den Verein für krebskranke Kinder Hannover e.V., der das Sportangebot für kranke Kinder und Jugendliche an der MHH finanziell fördert. „Uns ist es sehr wichtig, die jungen Patienten auch zukunftsorientiert zu betreuen“, sagte die Vereinsvorsitzende Bärbel Dütemeyer. „Richtig dosierter Sport, der starken Muskelabbau während der Therapie verhindert, ist ein wichtiger Schritt zurück in ein normales Leben!“

Vorgaben werden individuell auf Leistungsfähigkeit abgestimmt


Der 14jährige Phil aus Hannover, der an Krebs erkrankt war, hat als Erster erfolgreich die Prüfung abgelegt. Dazu musste er in den vier Bereichen Ausdauer, Koordination, Kraft und Geschwindigkeit individuell auf seine Leistungsfähigkeit abgestimmte Vorgaben erfüllen wie etwa einen Krafttest im Bett während seines stationären Aufenthalts, einen 100 Meter-„Rollstuhl-Wettlauf“ oder einen Kilometer auf dem Laufband gehen. „Das war total cool“, erinnerte sich Phil, „denn so weit war ich davor schon ganz lange nicht mehr gegangen.“

Erfolgreicher Schritt zurück in den Alltag


Initiator des Projektes ist MHH-Sportwissenschaftler Torge Wittke. Er will kranke Kinder und Jugendliche so früh wie möglich wieder an den Sport heranführen – und gilt bei den jungen Menschen, mit denen er teils schon im Krankenhausbett trainiert, als wahrer Motivationskünstler. Können die Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule gehen, steht in ihren Zeugnissen beim Fach Sport zumeist „nicht teilgenommen“. „Das ärgert und kränkt Viele von ihnen, wie sie mir immer wieder erzählt haben“, berichtete Torge Wittke. Das wollte er ändern. „Ich bringe sie mit der frühen Form des Trainings zu persönlichen Höchstleistungen, die gleichzeitig ihre Gesundheit und ihr Selbstwertgefühl fördern.“

Perspektive: Landesweites Netzwerk

Die Sportmedizin will nun prüfen, ob nach dem Vorbild des Pädiatrischen Intensiv-Netzwerkes von mehr als 40 Kinderkliniken in Niedersachsen, Bremen, Teilen von Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Hessen ein vergleichbares Sportnetzwerk aufgebaut wird. „Wir wollen ja für möglichst viele schwerstkranke Kinder und Jugendlichen durch gemeinschaftliche Betreuung eine Verbesserung der medizinischen Versorgung“, sagte Dr. Tegtbur.


„Das Sportabzeichen im Zeugnis wäre schon cool“

„Wenn das Sportabzeichen in jedem Zeugnis stehen könnte – das wäre schon cool!“, sagt Phil. Das Niedersächsische Kultusministerium prüft gegenwärtig, wie ein solcher Vermerk im Zeugnis aussehen könnte. Seinem Trainer Torge Wittke dankte Phil ganz persönlich: „Für mich war es nie ,Du musst zu Torge’ – für mich ist es immer, ich darf zu Torge. Danke!“ Das Logo „Goldener Äskulapstab – niedersächsisches Ehrenabzeichen für Sport“ hat die 17-jährige Sükürya Demiray entworfen, die selbst Patientin der MHH war. „Als mich Torge fragte, ob ich helfen möchte diesem Sportabzeichen ein „Gesicht“ zu geben, war ich sofort dazu bereit“, betonte sie.

 

Die Zeichnerin hat die Comicfiguren „Thrombogirl und Leukoboy“ entwickelt. „Für mich wie für viele Patienten waren die klinischen Begriffe Leukozyten und Thrombozyten ständige Begleiter. Mit den Figuren erkläre ich ihre Bedeutung.“

Quelle: MHH/LSB

Kontakt: Torge Wittke

Institut für Sportmedizin