13.05.2019 - Kirche und Sport in vielen Gemeinden Partner vor Ort

In Nordhorn, Salzgitter, Wolfsburg, Verden und weiteren Städten machen Menschen aus Kirchengemeinden und Sportvereinen bereits gemeinsame Angebote. Diese Initiativen auszubauen war ein Ziel der Veranstaltung „Kirche und Sport als Partner vor Ort – Gemeinsam den Sozialraum gestalten“.

Eingeladen hatten die Akademie des Sports des LandesSportBundes Niedersachsen und der Landesarbeitskreis Kirche und Sport der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Wie sehr Kirche und Sport die Biografie prägen können, berichteten der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe und Detlef  Mucks-Büker, Sprecher des Landesarbeitskreises Kirche und Sport und Oberkirchenrat Ev.-luth. Kirche in Oldenburg: Beide wurden 1965 eingeschult – zu einer Zeit, als auch in Niedersachsen Katholiken und Protestanten strikt nebeneinander her lebten. Der Katholik und der Protestant lernten dann erst beim Fußball und Rudern Sportler der jeweils anderen Religionsgemeinschaft kennen. Als Jugendliche einte dann fast alle der Konflikt zwischen dem sonntäglichen Fußballspiel oder dem Dienst in der Kirche.

Heute sind diese Erfahrungen Vergangenheit, gibt es in vielen Städten und Gemeinden Menschen, die Sport und Religion zusammendenken und –leben und deshalb gemeinsame Angebote machen.

Ein bundesweites Aushängeschild ist sicher die jahrzehntelange Arbeit des CVJM aus Wolfsburg. Neu und ebenso beispielgebend ist die Entscheidung des Kreissportbundes Grafschaft Bentheim und der Christus- und Kreuzkirchengemeinde Nordhorn, gemeinsam eine Bundesfreiwilligendienst-Stelle einzurichten. In Nordhorn hat sich zudem der Sportkirchentag etabliert - der nächste findet 2020 statt .

Und dann gibt es viele Sportprojekte – wie etwa der Jakobslauf der Christusgemeinde Hittfeld/Fleestedt – ein Projekt, das beim Lauftreff des TuS Fleestedt entstanden ist.

Sozialraumorientierung

Was ist ein Sozialraum? Was verstehen Kommunen unter Sozialraumorientierung und wie wird bereits umgesetzt? Welche konkreten Folgen hat dieser Kontext für zivilgesellschaftliche Organisationen, die den Sozialraum gemeinsam gestalten wollen? Mit diesen Fragen befasste sich Prof. Dr. Schubert. Denn nicht alles, was als Sozialraumorientierung deklariert wird, bildet tatsächlich auch das Fachkonzept Sozialraumorientierung ab. Das mag daran liegen, dass der Begriff semantisch den "Raum" fokussiert. Der konzeptionelle Kern ist hingegen stark personenzentriert und emanzipatorisch, das heißt, das fachliche Handeln leitet sich von den Themen und Interessen der Menschen und ihrem Selbstbestimmungswillen ab. Bei einem so radikal an der Lebensweltperspektive ausgerichteten Handeln wird die Orientierung am Raum zur notwendigen Konsequenz, denn es gilt die durchaus pädagogik-kritische Ausgangsthese, dass die Aufgabe Sozialer Arbeit nicht vordergründig im Verändern von Menschen, sondern vielmehr im Gestalten der Lebensbedingungen dieser Menschen liegt. Grundsätzlich zielt sozialraumorientierte Arbeit auf die Veränderung bzw. Gestaltung sozialer Räume und nicht auf die wie auch immer geartete gezielte Beeinflussung psychischer Strukturen von Menschen.“

Und diese Lebensbedingungen befinden sich in andauerndem Wandel. Prof. Dr. Schubert empfahl deshalb den Akteuren aus Kirche und Sport, zunächst den jeweiligen Sozialraum zu erkunden und in Gesprächen mit den Menschen vor Ort deren Interessen und Wünsch aufzunehmen und danach Aktivitäten zu planen.

Beispiele für Kooperationen

Konzeption kirchlicher Sportarbeit der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Foto LSB von links nach rechts: Dr. Klaus Grünwaldt, Prof. Dr. Detlef Kuhlmann, Inga Rohoff, Detlef Mucks-Büker, Nicolas Roters, Patrick Neumann, Dr. Hendrik Langen, Norbert Engelhardt, Tanja Hennig, Henning Busse, Birgit Reichel, Prof. Dr. Herbert Schubert, Peter Meißner, Gerd Bücker, Jutta Schlochtermeyer, Jaak Beil