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Trainer-Serie

Trainerinnen und Trainer sind Schlüsselpersonen für den Erfolg junger Nachwuchskräfte wie etablierter Spitzensportler. In einer neuen Serie stellt das LSB-Magazin des LandesSportBundes Niedersachsen die Menschen vor, die in Niedersachsen mit ihren Aktiven am Auf- und Ausbau der sportlichen Karriere arbeiten. Die bisherigen Portraits gibt es hier zum Nachlesen.

Fabian Bünker - Nachwuchstrainer Golf

 

Wegbereiter für die Profis der Zukunft

Fabian Bünker stand mit 6 Jahren das erste Mal auf einem Golfplatz. Die Faszination für das Spiel ist zu seinem Beruf geworden: 30 Jahre später ist er hauptamtlicher Landestrainer des Golfverbandes Niedersachsen-Bremen (GVNB) und betreut Nachwuchstalente an sechs dezentralen Golf-Stützpunkten.

„Die A 27 kenne ich in- und auswendig“, sagt Fabian Bünker. In einer typischen Arbeitswoche pendelt der Golf-Landestrainer zwischen den Landesstützpunkten und weiteren Nachwuchsstandorten in Osnabrück, Braunschweig, sowie Bremen und Hannover, dort an jeweils zwei Standorten, hin und her. „Als ich vor zwei Jahren erster hauptamtlicher Landestrainer des Golfverbandes Niedersachsen-Bremen geworden bin, habe ich das zentrale Landeskadertraining durch das Stützpunkttraining ersetzt. So muss ich zwar viel herumfahren, dafür aber die Nachwuchsspieler nicht.“

Trainerkarriere

Seit 14 Jahren ist Bünker als Trainer aktiv.  „Mit dem Golf angefangen habe ich schon mit sechs Jahren. Meine Eltern hatten mit dem Spielen begonnen und mich mit auf den Platz genommen“, erinnert sich der gebürtige Münsteraner. Dort fand er schnell Gleichgesinnte, mit denen er eine Golf-Clique bildete. Von der Clubmannschaft schaffte er es in den Landeskader von Nordrhein-Westfalen, startete für die Jugend- und später für die Herren-Nationalmannschaft der Amateure. „Im Jahr 2003 habe ich dann mit der Golflehrer-Ausbildung begonnen. Mir schwebte vor, als Profi-Golfer Turniere zu spielen und nebenbei als Trainer zu arbeiten. Bald habe ich aber erkennen müssen, dass ich mein Geld anders verdienen muss – für den Profisport hat es nicht ganz gereicht."

Professionell trieb Bünker dafür seine Trainer-karriere voran: Im Golf Club St. Leon-Rot bei Heidelberg absolvierte er die Ausbildung zum PGA-Professional-Golftrainer und schloss 2012 das Studium an der Trainerakademie Köln als Diplom-Trainer des Deutschen Olympischen Sportbundes ab.  In St. Leon-Rot übernahm er zunächst die Jugendarbeit, die im Jahr 2011 mit der Wahl zum Jugendtrainer des Jahres der Professional Golfers (PGA) Germany honoriert wurde, und schließlich die sportliche Gesamtleitung des Golfclubs und seiner Akademie. 2014 ergab sich dann die Chance für einen Neuanfang im Norden. „Nach 12 Jahren in St. Leon hat es mich sehr gereizt, wieder in den Coaching-Bereich zu gehen. Die Arbeit auf dem Golfplatz war in den vergangenen Jahren immer weniger, die repräsentative Aufgaben immer mehr geworden.“

Galerie Landeskadertraining Golf

Einstellung muss stimmen

In Niedersachsen und Bremen betreut Fabian Bünker rund 60 Nachwuchsgolfer zwischen 9 und 16 Jahren. „Im D-Kader, also unserem höchsten Landeskader, ist das klare Ziel die Deutschen Meisterschaften. Dort sollen die GVNB-Aktiven gut performen, im besten Falle in die Top 10 kommen, um sich langfristig für die Jugend-Nationalmannschaft zu empfehlen. Für die Perspektiv- und Talentkader hingegen geht es zunächst um gute Ergebnisse bei den Jugend-Landesmeisterschaften“, erklärt der Landestrainer.

Bei offenen Jugend-Turnieren hält der 36-Jährige zudem die Augen offen, um Talente zu entdecken. „Es gibt jeweils im Herbst ein Sichtungslehrgang, zu dem wir die Golfclubs bzw. die jeweiligen Trainer anschreiben und unter Vorgabe von Eckleistungsdaten Talente einladen. Wir lernen die Spieler dann einen Tag lang kennen, durchlaufen verschiedene Golfstationen, spielen eine kleine Runde und sprechen auch mit den Eltern“, erklärt er das Procedere. „Ich schaue mir aber auch Talente zu anderen Terminen an, wenn mich Heimtrainer ansprechen und Spieler empfehlen. Mir ist dabei nicht ganz so wichtig, dass die Leistungsdaten 100%ig stimmen. Wer in den Landeskader will, muss zwar schon Golf spielen können, aber entscheidend ist für mich die Motivation, der Hunger auf Golf. Als leistungsorientierter Golfer muss ich auch Unannehmlichkeiten auf mich nehmen wollen, z. B. bei schlechtem Wetter draußen spielen – schließlich kommt unser Sport ursprünglich aus Schottland!“

Zusammenarbeit mit Clubtrainern

In den dezentralen Landeskadertrainings beobachtet er viel und gibt individuelle Unterstützung für die Spieler. „Ich konzentriere mich dabei auf das kurze Spiel, also die Annäherung an das Loch und das putten, das kommt im Clubtraining häufig zu kurz. Ansonsten orientiere ich mich an den Informationen, die ich von den Heimtrainern bekomme, schließlich sehen die Clubtrainer die Spieler viel häufiger im Wettbewerb und geben deshalb auch die Trainingsschwerpunkte für die Aktiven vor.“
Beim Stützpunkttraining im Golf-Club Langenhagen lässt Fabian Bünker drei seiner Schützlinge – Antonia Krüger, Lukas Hendricks und Albert Hoxhaj – den Drive, also den Abschlag, üben. Dabei setzt er den so genannten „TrackMan“ ein. „Neben der Weite des Schlages misst das Gerät auch die Parameter des Schlägers, aus denen gute Rückschlüsse auf die Qualität des Golfschwunges möglich sind. Mit dem Gerät lassen sich auch Tests durchführen, es kann z. B. vorgeben, wie weit geschlagen werden soll.“ Nach dem absolvierten Schlag gibt das Gerät umgehend Feedback, ob der Schlag zu lang oder zu kurz, zu weit rechts oder zu weit links war. „Damit lassen sich besonders gut Spielsituationen simulieren. Dieses Wissen ist im Golfsport entscheidend“, sagt Bünker. „Wenn ich auf dem Platz weiß, dass ich mit meinen Schlägen aus 90 Metern präziser bin als mit den Schlägen aus 60 Metern, kann ich das taktisch einsetzen.“

Etwa beim Länderpokal, bei dem sowohl das GVNB-Mädchen- als auch das Jungenteam im vergangenen Jahr Top-3-Platzierungen erreichten. Ob aus diesem Kreis eines Tages Profi-Golfer hervorgehen? „Das lässt sich in diesem Alter überhaupt nicht sagen“, weiß Fabian Bünker, „ein Martin Kaymer etwa war kein überragender Jugendspieler. Aber wir wollen unseren Nachwuchsspielern alles dafür Notwendige vermitteln.“

Hintergrundgespräch

„Olympia ist riesige Chance“

Joachim Schoetzau ist Geschäftsführer des Golf-Verbandes Niedersachsen-Bremen (GVNB).

Foto: privat

Herr Schoetzau, vor 2 Jahren installierte der GVNB erstmals einen hauptamtlichen Landestrainer. Welche Überlegungen haben dazu geführt?

Seit Gründung unseres Verbandes im Jahr 1973 wurde die Landeskader-Betreuung über die Jahrzehnte von Honorartrainern geleistet, ab dem Jahr 2011 auch mit mehreren Stützpunkttrainern auf Honorarbasis an dezentralen Standorten. Im Austausch mit dem Deutschen Golf-Verband haben wir dieses System hinsichtlich seiner Qualität hinterfragt. Als wir vor mittlerweile mehr als zwei Jahren die Möglichkeit zur Finanzierung einer hauptamtlichen Stelle bekamen und einen Golf-Trainer mit der Kompetenz wie sie Fabian Bünker mitbringt, für uns begeistern konnten, haben wir diese Chance genutzt.

Was hat sich dadurch in der Arbeit mit leistungssportlichen Nachwuchstalenten geändert?

Mit einem hauptamtlichen Landestrainer gibt es nun erstmals einen permanenten und für alle Belange zuständigen Ansprechpartner, wovon insbesondere unsere Kaderspielerinnen und Kaderspieler profitieren. Insgesamt haben wir damit die Kommunikation und die Prozesse auf ein professionelles Niveau gebracht. Nicht zuletzt zeigen auch die Erfolge der vergangenen Jahre, etwa das überragende Abschneiden beim Länderpokal 2016, das sich dieses Vorgehen gelohnt hat.


Wie ist der Landesverband im Bereich Leistungssport strukturell aufgestellt?


In unserem siebenköpfigen Vorstand ist Carl-Clemens Andresen zuständig für Jugend- und Leistungssport. Die Koordination unserer leistungssportlichen Aktivitäten läuft über unsere Geschäftsstelle in Hannover. Das Landesleistungszentrum besteht beim Golf-Club Hannover, die weiteren vom LandesSportBund Niedersachsen anerkannten Stützpunkte sind beim Golfklub Braunschweig, beim Club zur Vahr in Bremen, dem Golfclub Syke, beim Osnabrücker Golfclub und dem Achimer Golfclub angesiedelt – wobei auch auf anderen Golfanlagen Kadertrainings absolviert werden.


Seit 2013 ist der GVNB (wieder) Mitglied im LSB. Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Sport-Dachverband für Niedersachsen aus?


Es gibt einen sehr konstruktiven Austausch mit dem LSB Niedersachsen, der uns mit umfassenden Informationen und Beratungsangeboten zur Seite steht. Auch aus dem Vergleich mit anderen Golf-Landesverbänden kann ich berichten, dass der LSB in Niedersachsen sehr gut aufgestellt ist. Ein Novum ist z. B., dass wir als Sportverband für zwei Bundeländer mit dem Club zur Vahr einen bremischen Verein mit Anerkennung des LSB Niedersachsen vorweisen können. Dieses Modell ist innovativ und zukunftsorientiert.


Welche Ziele verfolgt der GVNB mit seinem Engagement für den Golf-Leistungssport?


Unsere leistungssportliche Talente möchten wir dabei unterstützen, den Sprung in den deutschen Nationalkader zu schaffen. Wir freuen uns natürlich auch, wenn die Spieler später auch eine Profikarriere anstreben. Langfristiges verbandliches Ziel ist es, unsere Sportart in Richtung Schwerpunktsportart zu entwickeln und Talente ins LOTTO Sportinternat zu bringen. Ein wichtige Grundlage dafür ist auch ein gutes breitensportliches Fundament. Für dieses große Ziel brauchen wir starke Clubs, denn es gibt hierzulande durchaus ein Problem mit der Abwanderung talentierter Spieler in andere Bundesländer.


Im vergangenen Jahr wurde nach 112 Jahren erstmals wieder Golf bei Olympia gespielt. Wie wichtig ist das für Ihren Sport und die Nachwuchskräfte im GVNB?


Olympia ist eine riesige Chance! Zur olympischen Familie zu gehören, hat Signalwirkung für unsere gesamte Sportart. Aus Rio wurde Golf stundenlang im Free-TV gezeigt, während Profi-Turniere meist nicht frei empfangbar übertragen werden. Mit Martin Kaymer haben wir in Rio auch einen großartigen Sympathieträger erlebt – das ist ein absolutes Vorbild, auch für unsere Nachwuchsgolfer in Niedersachsen und Bremen.


Redaktion: Tobias Fricke