Mitgliederentwicklung

Der LandesSportBund (LSB) Niedersachsen ist die größte ehrenamtlich getragene Personenvereinigung in Niedersachsen. Die Bindung und Gewinnung von Mitgliedern ist eine Schwerpunktaufgabe jeder einzelnen Mitgliedsorganisation.

Mitgliederentwicklung

m Jahr 2017 waren rund 2,6 Millionen Personen (2.634.245) Mitglied in einem der 9.476 niedersächsischen Sportvereinen. Der Organisationsgrad (Mitgliedschaften im Verhältnis zur Einwohnerzahl) lag für 2016 in Niedersachsen bei 33,3 Prozent. Betrachtet man die Entwicklung der letzten zehn Jahre, so zeigt sich ein leichter Rückgang um 2,2 Prozentpunkte (PP).

Im Vergleich mit den anderen Bundesländern belegt Niedersachsen im Jahr 2016 den sechsten Platz. Auf den ersten drei Plätzen liegen das Saarland (37,0 % / -2,7 PP im Vergleich zu 2006), Rheinland-Pfalz (34,9 % / -1,5 PP) und Baden-Württemberg (34,1 % / -0,9 PP). Bundesweit lag der Organisationsgrad aller Landessportbünde bei durchschnittlich 28,8 Prozent. Damit liegt der Bundeswert auf dem Niveau von 2006 (+/- 0,0 PP).

Die unterschiedlichen regionalen Strukturen im Flächenland Niedersachsen spiegeln sich auch in unterschiedlichen Organisationsgraden wider. Der Organisationsgrad bewegt sich dabei zwischen 20,1 Prozent in Delmenhorst und 50,4 Prozent im Kreis Rotenburg (Wümme). Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass in städtischen Regionen der Organisationsgrad tendenziell am niedrigsten/niedriger ist (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Organisationsgrade 2016 in den Sportbünden

Organisationsgrad nach Alter und Geschlecht 

Betrachtet man den Organisationsgrad nach Alter und Geschlecht, so zeigt sich, dass Männer und Jungen über alle Altersgruppen hinweg (Ausnahme 0-6 Jahre) häufiger Mitglied in einem Sportverein sind als Frauen und Mädchen. Bezogen auf die Altersgruppen liegt der höchste Organisationsgrad bei den Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 14 Jahren (Ø 79,9 %; höchster Wert bei den 10-Jährigen mit 83,6 %), der niedrigste bei den über 60-Jährigen (Ø 24,9 %)(vgl. Abb. 2). 

Abb. 2: Mitglieder und Organisationsgrade 2016 nach Alter und Geschlecht

Betrachtet man die Entwicklung von 2006 bis 2016, so zeigt sich ein Anstieg des Organisationsgrads bei den 19-26-Jährigen (+1,0 PP) und über 60-Jährigen (+2,0 PP). Die Vereine haben hier in Relation also mehr Mitglieder gewonnen, als dass dies durch die Bevölkerungsentwicklung zu erwarten war (vgl. Abb. 3). In Bezug zu den über 60-Jährigen zeigt sich, dass die Mitgliedsvereine des LSB die Herausforderungen des demographischen Wandels angenommen und mit neuen Angeboten, insbesondere im Gesundheitsbereich, durchaus erfolgreich reagiert haben. Allerdings beruht der Anstieg des Organisationsgrads in den beiden Altersgruppen auf einem überproportionalen Anstieg der Mitgliedschaften bei den Frauen. In der Gruppe der über 60-Jährigen lag der Zuwachs bei den Frauen bei 3,1 Prozentpunkten. Wohingegen es bei den Männern nur einen marginalen Anstieg gab (+0,1 PP). Bei den 19-26-Jährigen ist der Organisationsgrad bei den Männern sogar um 1,2 PP zurückgegangen, bei einem Anstieg von 2,9 PP bei den Frauen.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich bei den 15-18-Jährigen (Mädchen -0,1 PP / Jungen -2,9 PP) und bei den 41-60-Jährigen (Männer -3,9 PP / Frauen -2,1 PP). Auch hier stellt sich die Entwicklung bei den Frauen/Mädchen besser dar.

 

Bei den 0-6-Jährigen (jeweils -2,9 PP) und 27-40-Jährigen (Männer -4,3 PP / Frauen -3,9 PP) gibt es keine bzw. nur geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Einzig in der Altersgruppe der 7-14-Jährigen ist die Entwicklung bei den Mädchen (-1,6 PP) schlechter als bei den Jungen (-0,4 PP).

Abb. 3: Entwicklung der Organisationsgrade 2006 bis 2016 nach Altersgruppen

Wechselt man von der Betrachtung der sieben Altersgruppen gemäß der Bestandserhebung hin zu den einzelnen Jahrgängen, so lässt sich ein noch differenziertes Bild darstellen. Im Folgenden werden die Veränderungen von 2007 zu 2016 dargestellt. Dies liegt daran, dass eine verpflichtende jahrgangsweise Erfassung der Mitglieder erstmals mit der BE 2008 (Zahlen 2007) erfolgte.

In dieser Darstellung kann man unter anderem erkennen, dass der Zuwachs beim Organisationsgrad der über 60-Jährigen erst durch einen Anstieg ab einem Alter von 68 Jahre resultiert. In der Altersgruppe von 52 bis 67 Jahren zeigt sich ein Rückgang des Organisationsgrads. Ebenso wie bei den 5 bis 13-Jährigen sowie den 30 bis 45-Jährigen. Einen Anstieg des Organisationsgrads gibt es bei den 18 bis 26-Jährigen (vgl. Abb. 4).

Abb. 4: Vergleich der Organisationsgrade 2007 und 2016 nach Alter

Schaut man sich auch hier die Veränderungen nach Geschlechtern an, so zeigt sich, dass die Änderungen beim Organisationsgrad zwischen Männern und Frauen tendenziell ähnlich sind, auch wenn sich die Höhen zum Teil deutlich unterscheiden (vgl. Abb. 5). Insbesondere zu nennen sind hier:

-          der Anstieg bei den Mädchen und Frauen zwischen ca. 15 und 26 Jahren,

-          der stärkere Rückgang bei den Männern im Alter von ca. 51-66 Jahren sowie

-          der stärkere Anstieg bei den Frauen im Alter von 68-79 Jahren.

Insgesamt kann man sagen, dass die Entwicklung bei den Mädchen und Frauen besser ist als bei den Jungen und Männern. Allerdings muss man hierbei berücksichtigen, dass ab einem Alter von 6 Jahren der Organisationsgrad bei den Mädchen und Frauen zum Teil deutlich unter dem der Jungen und Männer liegt (vgl. Abb. 2)

Abb. 5: Veränderung des Organisationsgrads 2007 und 2016 nach Alter und Geschlecht

Einfluss der demographischen Entwicklung auf die Mitgliederentwicklung und den Organisationsgrad

Grundsätzlich hat die allgemeine Bevölkerungsentwicklung einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Vergleicht man beispielsweise die Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Altersgruppen mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen, so zeigen sich deutliche Parallelen. So haben sinkende Bevölkerungszahlen in der Regel auch einen Rückgang bei den Mitgliedschaften zur Folge, gleiches gilt für steigende Bevölkerungszahlen. In Abbildung 6 sind diese Zusammenhänge sehr gut für die Vergleichsjahre 2007 und 2016 zu erkennen. Anstiege der Bevölkerungs- und Mitgliederzahlen sind „grün“ und Rückgänge „rot“ schraffiert. 

Abb. 6: Organisationsgrade 2016 nach Alter und Geschlecht

Der demographische Wandel hat aber auch einen direkten Einfluss auf die Gesamtmitgliedschaften. Durch den hohen Organisationsgrad bei den Kinder- und Jugendlichen, sind diese überproportional bei den Gesamtmitgliedschaften vertreten. Durch den Bevölkerungsrückgang in dieser Altersgruppe sinken auch überproportional die Mitgliederzahlen in dieser Altersgruppe und somit auch die Gesamtmitgliedschaften. Angenommen in der Altersgruppe der 7-14-Jährigen gehen die Bevölkerungszahlen um 50.000 Einwohner zurück, fehlen den Sportvereinen bei einem gleichbleibenden Organisationsgrad von rund 80% direkt 40.000 Mitglieder. Ein Bevölkerungszuwachs von 50.000 Einwohner bei den über 60-Jährigen hat wiederum bei einer Organisationsquote von rund 25% „nur“ einen Zuwachs von 12.500 Mitgliedern zur Folge. Der demographische Wandel (weniger „Junge“, mehr „Ältere“) führt somit, selbst bei gleichbleibenden Gesamtbevölkerungszahlen, zu einem Rückgang der Gesamtmitgliederzahlen und somit zu einem Rückgang des Gesamtorganisationsgrades.

Insgesamt beeinflussen viele Faktoren die Mitgliederzahlen in den Sportvereinen. Zu nennen sind u.a. demographische Veränderungen, die Sportstättensituation vor Ort, die Schulentwicklung mit der Einführung des gebundenen und ungebundenen Ganztags, aber auch die Angebote der Sportvereine selbst. Hier steht für viele Vereine die Frage im Vordergrund, mit welchen Angeboten sie die verschiedenen Zielgruppen erreichen können?

Der Landessportbund Niedersachsen unterstützt seine Mitgliedsvereine bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Bindung bestehender Mitglieder. Die Vereine erhalten u.a. Beratungsleistungen und eine finanzielle Förderung bei der Einführung neuer Angebote, sodass die Vereine adäquat auf die Veränderungen reagieren können.

Neben den Mitgliedschaftszahlen der Sportvereine im Landessportbund Niedersachsen stellen die Ergebnisse der Sportentwicklungsberichte – „Analysen zur Situation des Sports in Deutschland“ (SEB) interessante managementrelevante Informationen für Entscheidungsträger im Sport dar. Im Rahmen der SEB werden seit 2005 alle zwei Jahre die Sportvereine in Deutschland zu ihrer Situation befragt. Das Vorhaben wird finanziert von den Landessportbünden, dem Deutschen  Olympischen Sportbund (DOSB) sowie dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp).

Angebote im Bereich Gesundheit gehören – auch unter der Perspektive einer immer älter werdenden Gesellschaft – sicherlich zu den zentralen Elementen einer zukunftsfähigen Vereinsentwicklung. Der SEB 2015/16 zeigt, dass die Vereine in Niedersachsen im Gesundheitsbereich den richtigen Weg eingeschlagen haben. Laut SEB bieten rund 29,3 Prozent der niedersächsischen Vereine Angebote mit Gesundheitsbezug an (Bundesdurchschnitt: 26,8%). Insgesamt haben 9,8 Prozent der Sportangebote in niedersächsischen Vereinen einen Gesundheitsbezug. Damit liegt Niedersachsen hier im Bundesdurchschnitt von 10,0 Prozent.

Diese positive Entwicklung im Bereich der Angebote im Gesundheitsbereich können sicherlich mit dem gestiegenen Organisationsgrad bei den über 60-Jährigen in Verbindung gebracht werden. Hier unterstützt der LSB auch weiter die Anstrengungen seiner Vereine das Gesundheitssportangebot weiter auszubauen.

Links

  • LSB Mitgliederstatistik: Der LandesSportBund Niedersachsen erstellt auf der Basis seiner zentralen online-Bestandserhebung Gesamtstatistiken für die Sportorganisation: zu den Gesamtmitgliedschaften in Sportvereinen, Landesfachverbänden und Sportbünden sowie Einzelauswertungen nach Geschlecht, Altersgruppen, Sportarten und Vereinsgröße. Diese Zahlen finden Sie hier.

 

 

Die Landesauswertung für Niedersachsen der „Sportentwicklungsberichte – Analysen zur Situation des Sports in Deutschland“ finden Sie hier.

Lange, Christa
Abteilungsleiterin Sportentwicklung
Telefon: 0511 1268-158

Fuhrmann, Holger
Referent für Sportentwicklung
Telefon: 0511 1268-155