Gesellschaft und Entwicklung

Die Analyse regionaler Sozio-demografischer Faktoren ist ein wesentlicher Baustein in der Sport- und Vereinsentwicklung.

Gesellschaft und Entwicklung

Der LandesSportBund Niedersachsen sieht seine wichtigste Aufgabe darin, durch Sport einen wesentlichen Beitrag zum Wohlergehen der Menschen im Land zu leisten. Dies entspricht seinem Leitbild „Mittendrin in unserer Gesellschaft“. Mit seinen Sportbünden, den Landesfachverbänden und Vereinen ist er bemüht, sportliche Angebote zu schaffen, die von der gesamten Bevölkerung, ungeachtet ihrer sozialen Herkunft und körperlichen Voraussetzungen, angenommen werden können. Mehr zu den Aktivitäten des LSB im Bereich Sportentwicklung finden Sie hier.

Der organisierte Sport muss sich dabei ständig auf Veränderungen in der Gesellschaft einstellen. Zu nennen sind dabei unter anderem, dass

  • die Bevölkerung – mit starken regionalen Unterschieden – abnimmt,
  • die Bevölkerung älter wird und
  • der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zunimmt.

Die Bevölkerung nimmt ab, aber mit starken regionalen Unterschieden.

Die Bevölkerungsprognose des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik (2014a) sagt eine stetige Abnahme der Einwohner in den nächsten Jahrzehnten voraus. Der Bevölkerungsrückgang in Niedersachsen wird sich voraussichtlich mit zunehmendem Tempo vollziehen. Erwartet wird ein Rückgang von derzeit 7,86 Mio. Menschen im Jahr 2013 auf 6,22 Mio. im Jahr 2060. Zu begründen ist das mit den anhaltend niedrigen Geburtenzahlen, während gleichzeitig immer mehr Menschen sterben. Ein Abfangen dieses Trends durch Wanderungsgewinne war bereits in den letzten Jahren nicht mehr möglich.

Dieser Prozess verläuft jedoch regional unterschiedlich. So müssen rund 80 Prozent der Stadt- und Landkreise in Niedersachsen bis zum Jahr 2025 mit rückläufigen Bevölkerungszahlen rechnen. Die mit Abstand ungünstigste Entwicklung wird sich mit einem prognostizierten Rückgang von mindestens 15% bis 2025 (Vergleichsjahr 2012) in den Landkreisen Osterode am Harz, Northeim, Goslar, Helmstedt und der kreisfreien Stadt Salzgitter vollziehen. Verluste zwischen 10 und 14% werden in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg, Holzminden, Wolfenbüttel, Schaumburg und Cuxhaven erwartet.

Demgegenüber gibt es aber auch Regionen mit noch wachsenden Einwohnerzahlen. So wird beispielsweise für die Landkreise Vechta und Cloppenburg eine Bevölkerungszunahme zwischen 8 und 12% prognostiziert (Landesamt für Statistik Niedersachsen 2015).

Die Bevölkerung wird älter.

Wesentlich problematischer als die Bevölkerungszahlen insgesamt wird sich jedoch die Altersstruktur verändern. Bis 2025 wird sich die Anzahl der unter 20-Jährigen in Niedersachsen von 1,54 Mio. (Stand 2012) auf vermutlich 1,28 Mio. und damit um rund 256 000 Personen bzw. 16,7% reduzieren. Parallel ist mit einem nicht unerheblichen Anstieg der Bevölkerung im Rentenalter zu rechnen. Die Anzahl der Personen von mindestens 65 Jahren dürfte sich von 1,65 Mio. auf 1,92 Mio. Ende 2025 und damit um 16,6% erhöhen (Landesamt für Statistik Niedersachsen 2015).

Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund nimmt zu.

Im Jahre 2012 verfügten 17,8% der Bewohner Niedersachsens über einen Migrationshintergrund. Tendenziell sind diese Menschen stärker in den jüngeren Altersgruppen vertreten. So beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund bei den 6 bis unter 15-Jährigen 28,4% gegenüber 9,0% bei den 65 bis unter 80-Jährigen 8 (Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung 2014).

Weiter führen Veränderungen der Arbeitswelt zu einem Wandel im Freizeitverhalten und die ökonomischen Voraussetzungen verschärfen sich.

Die Entwicklung eines Vereins ist wesentlich von seinen finanziellen Rahmenbedingungen abhängig.

Laut den Zahlen des Sportentwicklungsbericht 2013/2014 (Breuer 2015) machen die Mitgliedsbeiträge den größten Teil der Einnahmen aus. Stellt man diese in den Zusammenhang mit der Bevölkerungs- und Vereinsmitgliederentwicklung ist ohne Erhöhung der Beiträge langfristig mit niedrigeren Einnahmen zu rechnen. Weitere Einnahmequellen wie öffentliche Zuwendungen und Wirtschaftseinnahmen sind gesunken. Dagegen konnte bei den Spenden zugelegt werden.

Armut trifft Alleinerziehende und kinderreiche Familien, mehr in der Stadt als auf dem Land.

In Niedersachsen lebten 2012 nach Angaben des Landesamts für Statistik Niedersachsen (2014a) 15,4% der Einwohner in relativer Armut. Festzustellen ist, dass die höchsten Armutsquoten bei Alleinerziehenden (44,2%) und Familien mit mindestens drei Kindern (27,8%) vorliegen. Ende 2012 waren rund ein Fünftel der Sozialhilfeempfänger (Leistungen nach dem 5. bis 9. Kapitel SGB XII) noch im Kindes- und Jugendalter. Die Armut ist damit nicht mehr alt, sondern sehr jung: Bezogen auf die entsprechende Bevölkerungsgruppe liegt die Sozialhilfequote bei den bis zu 18-Jährigen bei 1,8% und damit höher als in der Gesamtbevölkerung (1,5%) (LSN 2014b). Auffällig ist die regionale Spannweite: in den Städten und Großstädten leben mehr jugendliche Sozialhilfeempfänger als in den Umlandgemeinden und auf dem Land.

Alle diese Prozesse stellen die Sportakteure vor besondere Herausforderungen in der Sportentwicklung vor Ort. Um die Sportvereine bei der Bewältigung dieser Veränderungen zu unterstützen, bietet der LSB verschiedene Maßnahmen an, die einerseits den Kern des Sportvereins als Freiwilligenorganisation stärken, andererseits aber auch Impulse für eine Öffnung und ein soziales Engagement beinhalten. Finanzielle Förderungen, Beratungen und gute Beispiele aus der Praxis ermutigen dazu, sich auch zukünftig für den gemeinnützigen Sport zu engagieren.

Links

- Länderprofil Niedersachsen der Bertelsmannstiftung:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-ECA14C50-3E8EACE8/bst/hs.xsl/71020.htm

 

- Regionalreport Niedersachsen 2012 (3 Teile):

http://www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=1387&article_id=5001&_psmand=7

 

- Handlungsorientierte Sozialberichterstattung Niedersachsen 2014:

www.sozialberichterstattung-niedersachsen.de

http://www.ms.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=6508&article_id=19243&_psmand=17

 

- Statistische Monatshefte Niedersachsen:

http://www.statistik.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=33723&article_id=87704&_psmand=40

 

- Kommunale Berichte (Demographie, Soziales, Integration, Bildung, Finanzen):

http://www.wegweiser-kommune.de/kommunale-berichte

 

- Basisanalyse zur Identifizierung spezifischer Handlungsbedarfe für fünf Regionen in Niedersachsen:

http://www.niw.de/index.php/Publications_Detail/items/929.html

 

- Angaben zu den Indikatoren Nachhaltigkeit und Soziales

http://www.statistikportal.de/Statistik-Portal/

http://www.statistikportal.de/Statistik-Portal/de_zs05_nds.asp

Literatur

Breuer, C. (Hrsg.)(2015). Sportentwicklungsbericht 2013/2014.

Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Köln: Sportverlag Strauß.

 

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.)(2014).

Migration und Teilhabe in Niedersachsen. Integrationsmonitoring 2014. Hannover.

  

Landesamt für Statistik Niedersachsen (Hrsg.)(2014a).

Statistisches TaschenbuchNiedersachsen 2014. Hannover.

 

Landesamt für Statistik Niedersachsen (2014b).

Sozialhilfe 2012 - KI1-j/2012. Hannover.

  

Landesamt für Statistik Niedersachsen (2015).

Online-Datenbank, Tabelle K1010013. Zugriff am 10.02.2015 unter www1.nls.niedersachsen.de/statistik/.

Lange, Christa
Abteilungsleiterin Sportentwicklung
Telefon: 0511 1268-158

Fuhrmann, Holger
Referent für Sportentwicklung
Telefon: 0511 1268-155

ARAG
Polytan
ASS Team
BKK 24
Deutscher Sportausweis
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