08.10.2019 - „Das Mittelmaß in der Bundesliga ist zu hoch bezahlt“

Position beziehen, offen seine Meinung sagen und doch beliebt zu sein: Dieter Hecking lebt diese – gerade auch für Fußballtrainer – so wichtigen Qualitäten vor. Den 9. Fußballtalk „Sport trifft Politik“ nutzte er denn auch für klare Worte über die aktuelle Situation im Fußball.

Position beziehen, offen seine Meinung sagen und doch beliebt zu sein: Dieter Hecking lebt diese – gerade auch für Fußballtrainer – so wichtigen Qualitäten vor. Den 9. Fußballtalk „Sport trifft Politik“ der VGH-Versicherung und des Vereins der Niedersächsischen Sportpresse mit Präsident Hans-Joachim Zwingmann nutzte er denn auch für klare Worte über die aktuelle Situation im Fußball. Rund 300 Zuhörer waren der Einladung zum Gespräch zwischen dem 55-Jährigen und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gefolgt. Moderatorin Bettina Tietjen („zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mit der Tabelle der 2. Bundesliga beschäftigt“) erwies sich einmal mehr als eloquente „Spielmacherin“.

Kritisch sieht Hecking schnelle öffentliche Kritik an Trainern. Wenn ein Verein mit einem mehrjährigen Konzept startet, könne man nicht schon nach wenigen Spielen den Stab brechen. „Wir Trainer spüren, wenn wir in der Kabine verloren haben.“ Dabei geht es nicht nur über unterschiedliche Auffassungen über Spielideen und deren Umsetzungen auf dem Platz. „Wir arbeiten mit 25 Millionären, deren Beruf hier in Deutschland sehr populistisch aufbereitet wird“, sagte er mit Blick auf andere europäischen Staaten, in denen hohe Gehälter für Fußballstars weniger kontrovers gesehen würden. Allerdings gilt für Hecking auch: „Mit ein weniger Geld könnten wir alle auch noch gut leben. Überragende Gehälter sollte es für überragende Leistung geben.“

Ärgerlich findet der ehemalige Polizist auch, dass heute vielfach die Polizei sicherstellen muss, dass Fußballspiele stattfinden können. „Das ist nicht mehr Fußball!“ Nicht begeistert ist er zudem über die neue Regelung, wonach Trainer durch den Schiedsrichter mit persönlichen Sanktionen in Form von gelben und roten Karten belegt werden können. „Wenn uns die Emotionen am Spielfeldrand genommen werden – das will doch niemand sehen“, ist er überzeugt. Hier sei wieder eine Regel über ihre Köpfe hinweg formuliert worden. „Wir müssen uns als Trainer künftig mehr artikulieren.“ Und weil Hecking weiter Trainer sein möchte („das war auch ein Grund für meinen Wechsel nach Hamburg“) wird die Stimme ganz sicher noch zu hören sein. Und so gab er als Prognose für das nächste Spiel zwischen Hamburg und Hannover 3:1 aus – während Weil auf 2:0 für die Roten tippte. Denn so Hecking: „Ich will immer gewinnen.“

Einmal mehr zeigte der Talk Parallelen zwischen Fußball und Politik auf – etwa beim Thema Arbeiten im Team, Beständigkeit und Wertschätzung im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern. „Wichtig ist zudem, dass wir in unseren Funktionen auch Einsatzbereitschaft zeigen und berechenbar bleiben“, sagte Weil.  

Foto: LSB v.l.: Hermann Kasten, Dieter Hecking, Bettina Tietjen, Hans-Joachim Zwingmann, Stephan Weil, Bodo Krüger: Statt Blumen und Möhren für die Pferde gab es für den Ministerpräsidenten einen Scheck, den dieser an die NP Sportstiftung weiter gab.