Talententwicklung mit Wiener Schmäh

Das LSB Magazin stellt Trainerinnen und Trainer aus Vereinen und Verbänden in Niedersachsen vor. Thomas König (35) ist Landestrainer beim Niedersächsischen Basketballverband (NBV). Der gebürtige Österreicher, der zuvor mitverantwortlich für die Nachwuchsarbeit bei Rasta Vechta war, ist Inhaber der österreichischen A-Lizenz und hat 2019 das Europe Coaching Certificate der International Basketball Federation (FIBA) erhalten.

Wie sind Sie zur Trainertätigkeit gekommen?

Als ich in meinem Heimatverein in Wien mit 17 Jahren die U12 übernommen habe. Damals natürlich noch als Hobby. Vor sechs Jahren bekam ich dann die Möglichkeit auch beruflich als Basketballtrainer zu arbeiten. Seit Juli 2019 bin ich nun als Landestrainer für den Niedersächsischen Basketball Verband tätig.

Welche Mannschaften trainieren Sie?

Derzeit betreue ich die männliche U14 Auswahl des NBV. In der Talententwicklung arbeite ich auf täglicher Basis mit unseren Landes- und Bundeskaderathleten in Kleingruppen und Individualeinheiten.


In welcher Leistungsklasse befinden sich die Sportlerinnen und Sportler?

In der individuellen Betreuung gibt es verschiedene Leistungsklassen von Bezirk-, Landes-, bis Nationalkaderathleten. Die Auswahlmannschaften sind dafür verantwortlich, dass junge Talente dem Deutschen Basketballbund (DBB) für die Sichtung der Jugendnationalmannschaften vorgestellt werden.

Wie erleben Sie den Nachwuchs beim Training?

Ich erlebe unseren Nachwuchs als sehr begeisterungsfähig. Trotz gestiegener Anforderungen im Umfeld der Jugendlichen, besteht eine hohe Motivation. Das spiegelt sich auch in der Trainingsbeteiligung wider.

Was sind Ihre sportlichen Ziele?

In erster Linie ist es wichtig, die Basis im Nachwuchsbereich zu vergrößern. Der Anspruch ist, in Zusammenarbeit mit den Bundesligavereinen dafür zu sorgen, dass es möglichst viele Nachwuchsspieler in die nationale Spitze schaffen. Ein weiteres Ziel ist, dass niedersächsische Spieler Teil der Jugendnationalmannschaften sind.

Wieviel Zeit investieren Sie durchschnittlich in ihre wöchentliche Trainertätigkeit?

Es gibt keine „Standard-Arbeitswoche“. Meine Woche richtet sich nach aktuellen Terminen und Arbeitsschwerpunkten. Das ist nicht immer in einem zeitlichen Rahmen messbar. Die unterschiedlichen Aufgaben machen meine Tätigkeit sehr abwechslungsreich.

Welchen Prinzipien folgt ihre Trainingskonzeption?

Ich möchte mündige Spieler, die durch unsere ganzheitliche Talententwicklung zu selbstbestimmten Personen im Leistungssport und im täglichen Leben reifen Als wichtig erachte ich auch, dass die Athleten den Umgang mit steigenden Druckbedingungen und Erwartungshaltungen aus dem Umfeld eines Nachwuchsspielers lernen. Dazu ist es auch wichtig, soziale Kompetenzen zu vermitteln. Durch die Vielzahl von Top-Talenten in unserem Verband gelingt es, eine sehr gute Trainingssituation herzustellen. Entsprechende Kleingruppen unterstützen hochkonzentriertes Arbeiten an spezifischen Inhalten.

Wieviel Zeit investieren Sie für ihre eigene fachspezifische Weiterbildung?

Ich versuche mich ständig weiterzubilden. Mich interessieren vor allem internationale Vergleiche und Entwicklungen. Zuletzt konnte ich an dem dreijährigen Trainer-Programm der FIBA (International Basketball Federation) teilnehmen. Das FIBA Europe Coaching Certificate ist eine qualitativ äußerst hoch angesehene Trainerausbildung mit Top-Referenten aus dem Spitzensport. Seit Oktober 2019 nehme ich an der dreijährigen Diplomtrainer-Ausbildung an der Trainerakademie in Köln teil.

Wie findet ein inhaltlicher Austausch mit Trainerkollegen innerhalb und außerhalb ihres Vereins statt?

Mehrmals die Woche stehe ich mit meinen Trainerkollegen aus dem Verband und den Vereinen im Austausch. Durch diese Absprachen gelingt es uns, unsere Spieler noch besser zu machen. In den Landesstützpunkten findet außerdem einmal wöchentlich ein Stützpunkttraining in Zusammenarbeit mir den Vereinen statt. Im Rahmen dieses Trainings werden Trainingsprozesse mit den Vereinstrainern evaluiert.

Arbeiten Sie bei Talentsuche mit Schulen zusammen?

Der NBV hat ein eigenes Förderprogramm für Basketball in der Schule entwickelt. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Mitgliedsvereinen zusammen. Durch Grundschulligen in Göttingen, Hannover, Stade oder Vechta wird eine enorme Begeisterung für den Basketballsport bei den Kindern geschaffen.

Wie beurteilen Sie Ihre Position im Verein?

In meiner Funktion als Landestrainer sehe ich mich in einer großen Verantwortung gegenüber der Zukunft des Verbands. Einen weiteren Schwerpunkt meiner Tätigkeit sehe ich als Talententwickler.

Wie beurteilen Sie die öffentliche Wahrnehmung Ihrer Tätigkeit?

Durch unser Engagement in den Vereinen steigert sich auch die positive Wahrnehmung der Verbandstätigkeit. Generell genießt der Verband ein großes Ansehen und wird vor allem für seine Arbeit im Bereich des Leistungssports aber auch im Bereich Jugend & Schule geschätzt. Das freut mich natürlich besonders.

Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie aktuell für Ihre Tätigkeit?  

Die Haupttaufgabe im Jugendbereich besteht darin, mit einem ganzheitlichen Ansatz mündige Spieler auszubilden. Der Gesellschaftswandel beeinflusst unterschiedliche Bereiche des Lebens. Es bleibt immer weniger Zeit für Athleten, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Durch Druck auf allen Ebenen entsteht oft eine Fehlervermeidungsstrategie bei den Athleten. Dieser Entwicklung gilt es entgegen zu wirken.

Kontakt

(Der ausführliche Bericht ist in der Ausgabe 04/2020 des LSB Magazins erschienen)